Die Homepage-Redaktion fragt nach, Mitglieder des ‚Lokals Harmonie’ antworten. Ein Interview.
Homepage-Redaktion ‚Lokal Harmonie’ (R): ‚Lokal Harmonie’ was ist das?
Mitglieder des ‚Lokals Harmonie’ (LH): Ein Ort für zeitlich begrenzte künstlerische Aktionen und Veranstaltungen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf performativen Aktionen.
R: Klingt aber nach Eckkneipe mit was zu essen.
LH: Der Raum hat sich bisher in vieles verwandelt, aber ausgerechnet in so etwas noch nicht. Die Assoziation stimmt natürlich und liegt uns auch nahe. So halböffentlich, wie eine der typischen kleinen Wohnzimmerschenken mit ihren halbgeschlossenen Thekengesellschaften, ist der Laden allemal. Es gibt nur keinen Wirt. Und auch keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Das ‚Lokal Harmonie’ ist einfach eins der leerstehenden Ladenlokale, die man in Duisburg und in vielen anderen Ruhrgebietsstädten häufig findet. Ursprünglich war hier die Eisenwarenhandlung ‚Hennes’ drin. Der Inhaber Hennes hat Ende 2007 den Laden dicht gemacht. Seitdem steht der Laden leer.
R : Und Ihr habt den Laden jetzt besetzt.
LH : Nein, etwas schnörkelloser, gemietet, seit 2008.
R : Und was ist seitdem da passiert?
LH : Auf jeden Fall kein Einzelhandel. Im Frühjahr 2008 wurde der Laden unter dem Namen ‚Hennes-Lokal’ von Theater Arbeit Duisburg e. V. in Kooperation mit Theorie und Praxis e. V., und anderen Künstlern für die Vorbereitung und Durchführung der zehntägigen Veranstaltungsreihe ‚Z. B. Ruhrort: Lasst uns ein Warentransportmittel nehmen und hinfahren wo's schön ist’ geöffnet. Die Reihe gehörte zum Rahmenprogramm der 31. Duisburger Akzente. Das hat uns hier erstmal bekannt gemacht. Nach dieser Akzentereihe hat ein recht großer Kreis von Leuten den Laden für ihre eigenen Projekte genutzt, so dass es von September 2008 bis Ende des Jahres regelmäßig immer freitags etwas zu sehen gab, vornehmlich Performances, das gipfelte dann in der legendären 'Wunderland'-Weihnachtsgala in weiß und orange.
R : Livemusik gibt es leider nicht so oft. Warum?
LH : Ruhrort ist, trotz seiner Lage direkt am großen Duisburger Binnenhafen, ein Wohnviertel und der Laden liegt mitten drin, da kann man leider nicht regelmäßig nach zehn noch laut in die Tasten greifen und die Verstärker unter Strom halten. Aber unser Klavier und die Musikanlage sind und bleiben natürlich da, bis zehn Uhr kann man ja und danach auch etwas leiser.

R : Und dieses Jahr?
LH : Aus dem letzten Jahr ist eine Gruppe aktiver Leute geblieben. An Veranstaltungen hat sich der ‚Filmclub Harmonie 41’ etabliert, das Performanceformat ‚Reformclub Harmonie - Club der Weißen Männer’, TAD hat die Produktion ‚Im Ausland wie Glas’ hier gezeigt, wir hatten aus Graz die ‚Zweite Liga für Kunst und Kultur’ hier und für die diesjährigen 32. Duisburger Akzente ‚Bosporus - Tor der Kulturen’ haben wir eine zehntägige Veranstaltungsreihe unter dem Titel ‚Lokal Harmonie Bosporus’ herausgebracht. Unter dem gleichnamigen Titel gab's eine Ausstellung dreier FotografInnen zu sehen und verschiedene kleinere Inszenierungen und Performances zum Thema.
R : Ist soviel Platz im Laden? Bei drei FotografInnen braucht man doch genügend Ausstellungsfläche.
LH : Uns stehen hier zwei Etagen zur Verfügung, also der frühere Verkaufsraum unten im Erdgeschoss, und im 1. Stock noch mal die gleiche Fläche, das war früher der Lagerraum. Dort sind wiederum zwei Räume abgetrennt, wobei wir einen davon selbst als Lagerraum nutzen.
R : Und wie geht's weiter?
LH : Erstmal suchen wir noch Mitnutzer und Mitnutzerinnen für das Lokal, damit wir die Miete nicht ganz allein zahlen müssen. Wer also Räume für seine Aktivitäten sucht, und das müssen nicht ausschließlich künstlerische sein, ist herzlich eingeladen uns anzusprechen und sich das Lokal mal anzuschauen. Das sind ja immerhin zusammen 200 qm.
Mit ‚Mustermensch’ (früher T 5 an der Marientorstraße) haben wir zur Zeit zumindest einen Partner. Die machen im Lokal auch eigene Veranstaltungen.
R : Ja, die Termine sind auch hier auf der Lokalseite zu finden. Und ihr selbst?
LH : Wir reizen die Möglichkeiten des Raumes auch weiterhin für unsere eigenen Zwecke aus, als Probenraum, als Aufführungsort, Filmclub, Ausstellungsraum, als Planungs- und Seminarraum oder einfach als Treffpunkt fürs entspannte Abhängen und Ideen entwickeln.
Außerdem haben wir die Möglichkeit den Raum für das Kulturhauptstadtjahr ‚Ruhr 2010’ offiziell zu nutzen, bis dahin wollen wir ihn auch behalten.
Wichtig ist aber an dieser Stelle zu betonen, dass wir das Lokal nicht einfach als ‚unseren’ Raum begreifen, sondern als offenen Ort für andere Kunstschaffende. Jeder der einen Veranstaltungs- oder Ausstellungsraum sucht, ist herzlich eingeladen, das Lokal auch mietbeteiligungsfrei für sich zu nutzen.
R : Vielen Dank für das Gespräch.
LH : Bitte schön.