
32. Duisburger Akzente
Samstag, 2. Mai bis Sonntag, 10. Mai. Täglich ab 18 h
Bosporus: Tor der Kulturen
Das "Lokal Harmonie" wurde während der 31. Duisburger Akzente im April 2008 als "Hennes-Lokal" im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort gegründet. Seitdem hat sich die ehemalige Eisenwarenhandlung als außergewöhnlicher Arbeits- und Veranstaltungsort, u.a. von Theater Arbeit Duisburg und Theorie und Praxis e.V., in Duisburg etabliert.
Auch während der diesjährigen Duisburger Akzente verwandelt sich das "Lokal Harmonie" vom 2. bis 10. Mai 2009 in einen Ausstellungsraum und eine Werkstatt. Hier machen Foto- und Videoarbeiten die gleichzeitige Evidenz und Fragwürdigkeit erkennbar, mit der kulturelle Identitäten und geographische Räume überblendet werden. Und hier wird die kulturelle Chiffre "Bosporus" als geschichtlich-geographischer Begriff sowie als notwendig psychotische Abgrenzung zwischen (vereinnahmten) Eigenem und (abgewehrtem) Fremden erforscht werden.
Veröffentlichungen finden statt als Diskussionen, Performances und Konzerte.
Photografie & Video
Samstag, 2. Mai bis Sonntag, 10. Mai. Vernissage am 2. Mai, dann täglich ab 18 h. Eintritt frei

Annette Jonak: "Der eine prangert den Papst an, der andere erzählt Geschichten von einem Jesus-Doppelgänger. Ich wollte eigentlich über Altendorf diskutieren."
Die Arbeit verhandelt fotografisch sich durch Minarett und Kuppel als Moscheen ausweisende Gebäude in ihrem Bezug zur städtischen Peripherie in Nordrhein Westfalen und beschäftigt sich in einer textlichen Recherche mit dem Aufruhr, den die Errichtung dieser Gebäude hervor zu rufen scheint.
Circa 5500 Textbeiträge umfasst ein einziger Blog innerhalb des Forums "Der Westen" zu dem geplanten Umzug und Neubau einer Moschee in Essen.
Höchst engagiert, sehr aggressiv, emotional bis verzweifelt wird das "Tor der Kulturen", das anscheinend durch einen simplen Bauzaun zur Bedrohung oder Offenbarung wird, auf und zu geschoben.
Die Heftigkeit kultureller Abwehr - und Vereinnahmungsfantasien steht dabei nur wenig im Verhältnis zu dem Ausmaß des jeweiligen städtebaulichen Eingriffs oder dem symbolischen Stellenwert der meist an den Stadträndern gelegenen Orte.
10 Fotografien aus der Serie "Cami", 1500 Seiten Textblog, 11 gerahmte Texte, 1 Polaroid, Postkarten
Frederic Lezmi: Von Wien bis Beirut
Auf der Suche nach der Grenze zwischen Europa und dem Orient
Von August bis Dezember 2008 war Frederic Lezmi zwischen Wien und Beirut unterwegs. Er fand Menschen in verschiedenen Lebenswelten, in und vor realer, alter und neuer, defekter und gepflegter, öffentlicher und privater Architektur. In seinen Aufnahmen tauchen sie auf als Passanten und Wartende, als Subjekte und Objekte des Blicks, die in ihrem urbanen oder ländlichen Umfeld sich am Fotografen vorbeibewegen oder mit der Kamera konfrontiert werden.
Die Bilder Frederic Lezmis sind als ambivalente Kompositionen jenseits der gängigen Klischees angelegt. Sie überschreiten den festen Aussagewert architektonischer Monumente, historischer Lokalitäten und realer Grenzmarkierungen. Im Sinne einer regional unterschiedlichen, aber immer stärker zusammenwachsenden Globalität überlagern und durchdringen sich in Ihnen Morgen- und Abendland.
Die Fotografie erweist sich dabei als visuelles Scharnier, als Schnittstelle vielfacher Welten, deren Spielraum zwischen West und Ost jeweils ausgeweitet oder verengt wird. Wo endet der Westen und wo beginnt der Orient?
(c) Frederic Lezmi
Ute Klein: Randevu 11 Uhr, kafeterya
„Ich habe ganz vergessen zu fragen: wie lange leben Sie eigentlich bereits nicht mehr in Deutschland?“
„Seit 3 Jahren.“
Ute Klein reinszenierte für ihre Arbeit „Randevu 11 Uhr, cafeterya“ von ihr geführte Rechercheinterviews mit Deutschen in Istanbul. In Frage gestellt werden dabei Themen der Migration und damit einhergehend der Identität, der kulturellen Wiedererkennung und Integration als Fremder im Gastland.
„ … Es ist eben das Zeitalter der Mobilität, der Globalisierung und des Toursimus. Migration ist eine Form moderner Existenz geworden.“

Performance
Sonntag, 3. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 3 EUR erm.
Gegen Abend im Harmonie-Reformclub
Im Stadium der Melancholie erlauben sich die Mitglieder des Harmonie-Reformclubs – Martin Kloepfer, Gernot Schroer und Klaus Steffen – laut über jenen Ort nachzudenken, der eines der Tore bedeutete zu einer nun fast dahingegangenen anderen Welt. Imaginär wie auch real ist die glor- wie schreckensreiche Vergangenheit des Weißen Mannes auf diesem Terrain noch nicht ausgeträumt und an ihr Ende geführt. Ungebrochen lassen wir uns nicht mehr auf dich ein, Bosporus, Meilenstein auf dem Weg in den Orient, dennoch lassen uns deine Verheißungen nicht los.
Eine satirische Performance über eurozentrische Denkmuster unserer Gegenwart.

Offener Abend
Montag, 4. Mai. 20 h. Eintritt frei
Lokal Harmonie: Bosporus Lokal
Offener Abend des Lokal Harmonie im Rahmen der 32. Duisburger Akzente.
Kurzfilme aus Istanbul
Dienstag, 5. Mai. 20 h. Eintritt: 5 EUR / 3 EUR erm.
Ein kurzer Blick. Kurzfilme junger Filmemacher aus Istanbul
Preisgekrönte Kurzfilme junger Filmemacher vom Bosporus, ausgewählt von Övünc Güvenisik.
Was die Fime verbindet, ist nicht nur die Liebe zu Istanbul, es ist auch der kritische Blick auf die heutige Türkei. Sie erzählen düstere, amüsante und traurige Geschichten rund um den Alltag und das Leben in ihrem Land. Dabei wagen sie unter anderem einen Blick auf die Rolle der Frau, das Arbeiterleben, und sie begeben sich auch jenseits der Landesgrenzen. Denn Film ist global....
Performance
Mittwoch, 6. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 3 EUR erm.
Wein, Weib und Waffenschmuggel
Das illustre Leben und Wirken des Paolo Paolitos im Blauen Haus / Nordzypern
Der Bosporus zog bekanntlich 1974 um. Seit türkische Truppen den Nordteil Zyperns besetzten, befindet sich die Grenze zwischen christlichem Abendland und dem Orient auf der Insel im Mittelmeer. Bis zum April 2008 war diese Grenze dicht.
Paolo Paolitos (das ist nur einer seiner vielen Namen), Jurist und persönlicher Berater hochrangiger Politiker, veranstaltete in seinem architektonisch einzigartigen Haus (Mavi Köst – Blaues Haus, jetzt gelegen in türkischem Militärgebiet) hoch über der nordwestlichen Küste Zyperns nicht nur rauschende Parties, sondern betrieb angeblich vor allem regen Waffenschmuggel.
Die Performance von Stella Cristofolini und Stefano Kollibay spielt mit Mythen und Wahrheiten rund um die schillernde Person Paolo Paolitos` – was offenbart sich in Mavi Köst? Werden alte Weggefährten reden?

Psycho-historische Reise
Donnerstag, 7. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 3 EUR erm.
Basileos Porphyrogenetos: Rückführung
Byzanz ist Konstantinopel Istanbul. Eine psycho-historische Reise zum weißen Fleck des westeuropäischen Unbewussten.
Die verdrängten Wurzeln der europäischen Ost-West-Spaltung und die überraschende Tatsache des ununterbrochenen Fortbestands antiker Befindlichkeiten bis in die Moderne versuchen Klaus Steffen und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter von Theorie und Praxis e.V. freizulegen. Unter Ikonen und Weihrauchdampf entsteht vor den inneren Augen von hierfür speziell ausgewählten und erwiesen* medial Begabten ein fremdes und orientalisches Europa. Eine Rückführung in spätantike und frühmittelalterliche, kontaktbereite Wesenheiten wird angestrebt.
*zertifizierte mediale und spirituelle Begabung nach ISO 841
Szenisch-musikalische Lesung
Freitag, 8. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 2,50 EUR erm.
Aras Ören: Eine verspätete Abrechnung
mit Patrick John Dollas, begleitet von Hayrettin Günes und Mehmet Gilgin. Eine Produktion in Zusammenarbeit mit der alevitischen Kulturgemeinde Oberhausen.
Eine deutsch-türkische Begegnung. Man trifft sich nach vielen Jahren wieder. Unerwartet. Mitten auf der Straße. Mitten im Leben - in einem anderen Leben? Eine Geschichte, die in Istanbul beginnt und nicht in Berlin, in Köln oder in Oberhausen, sondern in der inneren Suche nach Heimat, nach Zugehörigkeit, nach kultureller Identität endet.
Butoh-Tanz
Samstag, 09. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 3 EUR erm.
Omoide no hon – Das Buch der Erinnerungen
Der Butoh-Tanz hat keine eine Quelle, sondern mindestens zwei: in der europäischen Moderne und in der asiatischen Tradition.
"Omoide no hon" thematisiert die Erinnerungen und Eindrücke von durch Krieg und Verfolgung traumatisierten Völkergruppen. In seinem Solo-Tanz wird Harald Schulte erstmalig von dem Schlagzeuger Marcel Settner begleitet. Die Grundlage der Musik bildet ein Soundtrack aus Werken von Merzbow, Biosphere und Tsunoada.
Lesung
Sonntag, 10. Mai. 20 h. Eintritt 5 EUR / 3 EUR erm.
"Und keiner will der Kapitalist sein ..." – Lenin. Was tun
"Wo das alles hinführen soll? Keine Ahnung. Vielleicht wird es besser, vielleicht kommt aber auch der 3. Weltkrieg." (F. Karem) – "Neuwagen gefragt wie nie, Interesse an Zweirädern stabil, Küchen- und Schlafzimmermöbel legen zu." (CreditPlus Bank AG) – "Alle unsere Losungen bleiben dieselben." (W.I. Lenin)
"Kapitalismus am Ende?" - so fragt neuerdings auch die bürgerliche Presse in ihren Feuilletons. Derweil in den Wirtschaftsteilen die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise bereits als Durchgangsstadium in eine neue Boom-Phase des Kapitals begriffen wird. Welche Bank, welches Unternehmen, welche Nationalökonomie wird ‚gestärkt’ aus ihr hervorgehen? Systemalternativen werden politisch nicht wirklich diskutiert. Die erste Gewinnerin der Krise des Neoliberalimus ist die neoliberale FDP. Warum? Und was war anders, als dies mal anders war? Z.B. 1917 in Russland.
„Die Frage lautet nicht: Was hat Lenin gemeint, und was hat er uns heute zu sagen? Sie lautet genau andersherum: Wie erscheint uns die gegenwärtige Gesellschaft aus einer leninistischen Perspektive?“ (S. Zizek)
Ein Prolog zur Trilogie „Und keiner will der Kapitalist sein ...“ von Theater Arbeit Duisburg und Theorie und Praxis e.V.
